Eine Eröffnung ist der einzige Tag, an dem dein Standort brandneu ist. Danach ist der Ladenbau benutzt, die Blumen sind verwelkt, das Team ist Routine geworden. Trotzdem behandeln viele Unternehmen die Eröffnungsfotografie als Randnotiz – und stellen drei Wochen später fest, dass für die Standortseite, das Google-Profil, die Medienmitteilung und den internen Newsletter nur Handybilder existieren. Dieser Beitrag zeigt, wie du aus einem Eröffnungstag Bildmaterial holst, mit dem du ein Jahr lang arbeiten kannst.
Die wichtigsten dreissig Minuten liegen vor der Öffnung
Wenn du aus diesem Beitrag nur einen Satz mitnimmst, dann diesen: Lass den Fotografen vor der ersten Kundschaft in den Laden. In dem Fenster zwischen «fertig eingerichtet» und «Tür offen» entstehen die Bilder, die du später am häufigsten verwendest. Der Verkaufsraum ist aufgeräumt, die Ware sitzt, die Beleuchtung ist eingeschaltet, keine Kaffeetasse steht auf dem Counter, niemand steht unglücklich im Bild. Diese Aufnahmen brauchst du für die Standortseite, für Vermietungsunterlagen, für das Google-Unternehmensprofil und für interne Präsentationen.
In der Praxis scheitert das oft an einer halben Stunde Zeitplanung. Der Ladenbau wird bis zur letzten Minute fertig, das Team räumt noch, und plötzlich stehen die ersten Gäste vor der Tür. Plane deshalb einen fixen Slot ein, idealerweise am Vorabend oder am frühen Morgen – und teile ihn dem Bauleiter mit, nicht nur dem Fotografen.
Die vier Bildblöcke einer Eröffnungsreportage
Eine gute Eröffnungsreportage besteht aus vier klar unterscheidbaren Blöcken. Jeder Block hat einen eigenen Adressaten, und wenn Zeit oder Budget knapp sind, priorisierst du entlang dieser Adressaten – nicht entlang des Programms.
- Raum und Architektur: Gesamtansichten, Warenpräsentation, Materialien, Beschriftung, Fassade, Eingang, Details. Adressat: Website, Standortseiten, Vermieter, Ladenbauer.
- Der offizielle Moment: Bandurchschneidung, Schlüsselübergabe, Ansprache der Geschäftsleitung, Grussbotschaft der Gemeinde. Adressat: Medienmitteilung, interne Kommunikation.
- Menschen und Team: das Personal im neuen Raum, einzeln und als Gruppe, in Aktion und im Gespräch. Adressat: Recruiting, Karriereseite, Social Media, Intranet.
- Betrieb und Stimmung: erste Kundschaft, Apéro, Beratungsgespräche, Rahmenprogramm, Schlange an der Kasse. Adressat: Social Media, interner Erfolgsnachweis, nächste Budgetrunde.
Das Pressebild: was es leisten muss
Lokalmedien arbeiten schnell und mit wenig Ressourcen. Wenn du am Samstag eröffnest und am Montag ein Bild schickst, ist die Nachricht durch. Deshalb gehört zu jeder Eröffnung eine Express-Lieferung: zwei bis drei fertig bearbeitete Bilder noch am Eventtag. Diese Bilder müssen andere Kriterien erfüllen als Social-Media-Content. Sie zeigen erkennbare Personen in Bildmitte, das Logo lesbar im Hintergrund, ausreichend Umgebung für Kontext, keine angeschnittenen Köpfe am Rand und im Querformat mit genug Rand für den Zuschnitt der Redaktion.
Genauso wichtig ist die Bildlegende. Redaktionen veröffentlichen ungern Bilder, bei denen sie die Namen nicht kennen. Notiere während des offiziellen Teils, wer von links nach rechts im Bild steht, mit Funktion – oder bestimme jemanden, der das tut. Das ist zehn Minuten Arbeit und verdoppelt die Chance auf eine Veröffentlichung.
Die Bandurchschneidung vorher inszenieren
Der symbolische Moment der Eröffnung dauert acht Sekunden und wird fast immer unterschätzt. Typische Ergebnisse ohne Vorbereitung: Die Person mit der Schere steht mit dem Rücken zum Licht, das Band hängt vor einer weißen Wand ohne Logo, drei weitere Personen stehen halb im Bild, und im Hintergrund ist ein Notausgangsschild das Auffälligste. Alles davon lässt sich in zwei Minuten Vorabsprache verhindern.
Kläre also vorher: Wer schneidet? Stehen weitere Personen dabei, und in welcher Reihenfolge? Wo genau ist das Band gespannt, und was ist dahinter zu sehen? Ist das Logo im Bild und beleuchtet? Wenn die Antwort auf die letzte Frage nein ist, verschiebe das Band um zwei Meter. Das ist der billigste Bildqualitätsgewinn, den es gibt.
Zeitplan für eine Filialeröffnung
- 30 Minuten vor Öffnung: leerer Raum, Ware, Beschriftung, Details, Fassade
- Öffnung: Bandurchschneidung, Ansprachen, offizielle Gruppenbilder
- Erste Stunde: Kundschaft, Beratung, Apéro, Stimmung, Team in Aktion
- Zweite Stunde: Teamporträts und Gruppenbild, ruhigere Momente
- Bei Dämmerung: Fassade und beleuchtete Beschriftung von aussen
Das Abendbild, das fast immer vergessen wird
Die Aufnahme der beleuchteten Fassade in der Dämmerung ist statistisch das am häufigsten weiterverwendete Bild einer Eröffnung. Sie funktioniert als Website-Header, als Titelbild im Google-Unternehmensprofil, in Vermietungsunterlagen und in der Weihnachtskarte. Der Aufwand: zwanzig Minuten am Ende des Einsatzes, in dem kurzen Zeitfenster, in dem der Himmel noch Farbe hat und die Beschriftung schon leuchtet. Dieses Fenster dauert im Sommer etwa dreissig, im Winter etwa zwanzig Minuten.
Voraussetzung ist, dass die Beleuchtung wirklich funktioniert. Bei Neubauten ist die Aussenbeschriftung häufig noch nicht angeschlossen, wenn drinnen schon gefeiert wird. Frag deshalb vorher beim Elektriker nach und plane das Abendbild notfalls als separaten Termin ein paar Tage später.
Fotografische Besonderheiten neuer Verkaufsräume
Neue Ladenlokale sind technisch anspruchsvoll, und zwar aus drei Gründen. Erstens Mischlicht: warmes Akzentlicht, kaltes Grundlicht und Tageslicht durch die Schaufenster ergeben drei Farbtemperaturen im selben Bild. Ohne sorgfältige, selektive Korrektur wirken Hautöne orange oder grünlich – und deine Corporate-Farben stimmen nicht. Zweitens Spiegelungen: Glasfronten, Vitrinen, polierte Böden und Metall reflektieren alles, auch den Fotografen. Hier helfen Winkel und Erfahrung mehr als Technik.
Drittens die Enge. Ein voller Laden bietet kaum Abstand, gleichzeitig soll der Raum als Ganzes sichtbar sein. Ein Weitwinkel um 24 Millimeter an einer Vollformatkamera zeigt den Raum, ohne Menschen an den Bildrändern zu verzerren – mit noch weiteren Brennweiten sehen Gäste am Rand gestreckt aus, was niemand schätzt. Und gerade Vertikalen sind Pflicht: Nichts sieht amateurhafter aus als ein Regal, das nach hinten kippt.
Für Filialisten: einmal definieren, immer gleich anwenden
Wenn du mehrere Standorte pro Jahr eröffnest, lohnt sich eine Rahmenvereinbarung. Wir definieren einmal Bildsprache, Shotlist, Perspektiven und Lieferformate – danach läuft jede Eröffnung nach demselben Muster. Der Nutzen ist doppelt: Deine Standortseiten sehen aus wie aus einer Hand, und die Planung kostet dich bei der vierten Eröffnung keine Minute mehr. Preislich ist das ebenfalls attraktiv, weil Vorbereitungs- und Abstimmungsaufwand nur einmal anfallen.
Ein Detail, das sich bewährt hat: Definiere zwei bis drei fixe Perspektiven, die an jedem Standort identisch fotografiert werden – etwa Fassade frontal, Blick vom Eingang in den Raum, Kassenbereich. Damit bekommst du über die Jahre eine vergleichbare Serie, die intern überraschend wertvoll wird.
Häufige Fragen zur Eröffnungsfotografie
Wie lange dauert eine Eröffnungsreportage?
Bei einer einzelnen Filiale reichen meist drei Stunden: eine halbe Stunde vor Öffnung, der offizielle Teil und rund eine Stunde Betrieb. Bei größeren Eröffnungen mit Rahmenprogramm, Musik und Prominenz plane vier bis sechs Stunden. Wenn abends zusätzlich ein Kundenanlass stattfindet, ist ein geteilter Einsatz oft die beste Lösung.
Was, wenn es am Eröffnungstag regnet?
Dann verlagert sich der Schwerpunkt nach innen, und die Aussenaufnahmen entstehen in einer Regenpause oder an einem Zweittermin. Regenbilder sind übrigens nicht automatisch schlecht: Nasser Asphalt spiegelt Licht, und Menschen unter Schirmen vor einem hell erleuchteten Laden erzählen oft mehr als Sonnenschein.
Brauche ich eine Einwilligung der Kundschaft?
Bei einem öffentlichen Anlass genügt in der Regel ein gut sichtbarer Hinweis am Eingang, dass fotografiert wird und wofür die Bilder verwendet werden. Personen, die nicht fotografiert werden möchten, werden nicht fotografiert. Für Bilder, die später in bezahlter Werbung laufen, brauchst du zusätzlich eine schriftliche Einwilligung. Mehr dazu im Beitrag zu Bildrechten.
Sollen wir Kunden oder Statisten für die Bilder organisieren?
Bei einer Eröffnung normalerweise nicht – es sind ohnehin Menschen da, und echte Kundschaft wirkt echter. Sinnvoll ist es dagegen bei Bildern für die Website, die nach der Eröffnung entstehen: Dort ist es besser, zwei bis drei Personen aus dem eigenen Umfeld einzuplanen als einen leeren Laden zu fotografieren.
Wann bekomme ich die Bilder?
Bei Eröffnungen liefere ich auf Wunsch zwei bis drei Pressebilder noch am Eventtag, damit die Lokalmedien sie am gleichen Abend haben. Die komplette kuratierte Bildstrecke folgt in drei bis fünf Arbeitstagen über einen privaten Downloadlink, in Web- und Druckauflösung.
Brauchst du einen Eventfotografen?
Du eröffnest einen neuen Standort? Erzähl mir kurz, was du planst – du bekommst in der Regel am gleichen Arbeitstag eine konkrete Offerte. Telefon 079 515 07 79, E-Mail info@romanbeer.ch oder direkt über das Anfrageformular.



